Klappentext
Haben Sie sich schon mal gefragt, warum Sie Dinge wahrnehmen, die andere nicht hören, riechen, fühlen oder gar sehen? Oder kennen Sie jemanden, dem es öfters mal so ergeht und verstehen nicht, wieso derjenige oft so seltsam ist? Vielleicht sitzt bei Ihnen daheim oder in der Schule ein Kind, das von Dingen erzählt, die Sie nicht nachvollziehen können?
Dann ist dieses Buch genau das richtige für Sie!
Angelika Meinhard und Nora S. Bach versuchen mit Beispielen und Ratschlägen allen ein Verständnis zu vermitteln, die an sich selbst oder ihren Mitmenschen zweifeln, nur weil sie anders sind …
Ihr Resumé zum Titel: Ja, wir sind normal!
Leseprobe
Ausschnitt aus dem Kapitel "Kinder"
[...]
Die erste Erfahrung meines Sohnes
Zum ersten Mal bewusst wahrgenommen habe ich die Fähigkeiten meines Sohnes, als er 8 Jahre alt war.
Später erfuhr ich noch so manch anderes von ihm, das mich wissen ließ, dass er diese Fähigkeit wohl von Geburt an hatte.
Doch nun zu diesem Tag, als wir dieses wunderbare Erlebnis hatten: Wir waren auf dem Weg zu meinen Eltern, als sich mein Sohn, hinten im Auto, ganz harmlos erkundigte, ob ich das Gefühl kennen würde, als wenn man beobachtet wird. Ich dachte mir nichts dabei und bejahte.
„Wie kommst du darauf?“, fragte ich zurück.
„Weil ich gerade auch beobachtet werde“, meinte er dann.
Ich sah in den Rückspiegel, aber hinter uns fuhr kein Auto und auf den Wiesen und Feldern um uns herum war auch niemand zu sehen.
„Aber hier ist doch keiner“, beruhigte ich ihn.
„Doch, ein Mann, der ganz schwarz angezogen ist. Er schaut mich die ganze Zeit an. Der macht mir Angst.“
Diese Antwort ließ mir einen kalten Schauer über den Rücken laufen. „Dann schick ihn doch einfach weg!“, riet ich ihm - ahnend, was er mir da mitzuteilen versuchte.
„Wie?“
„Sag ihm einfach, dass er gehen soll! Du magst ihn jetzt nicht sehen.“
„Mama, der geht aber nicht“, kam kurz darauf von der Rückbank.
Ich erzählte meinem Sohn von Erzengel Michael, der ein sehr starker Beschützer sei und wie er ihn um Hilfe bitten könne. Dies schien zu nützen. Zumindest kam die Wortmeldung: „Jetzt ist er weg.“
„Na also, dann ist ja alles wieder gut.“
Von wegen!
„Mama, dafür ist da jetzt jemand anderer.“
Langsam begann ich zu glauben, dass mein Sohn ein Spielchen mit mir trieb. Nun gut, spielen wir.
„Und wer ist das jetzt?“
„Keine Ahnung. Er hat eine Augenklappe und ausgefranste Hosen an. Aber er ist ein Freund“, kam prompt die Antwort.
„Ah ja! Und vor dem hast du keine Angst?“ Da bekomme ich eine waschechte Piratengeschichte aufgetischt, dachte ich mir insgeheim.
„Nein.“
„Und was will der jetzt?“ Wir waren inzwischen bei meinen Eltern angekommen und ich machte den Motor aus, um mich zu meinem Sohn umzudrehen. Dieser sah wie gebannt links an mir vorbei. Sein Blick war auf einen Punkt neben mir gerichtet. Er schaute mich ganz kurz an, während er antwortete: „Ich soll einen Schatz finden.“
Na klasse, so ein Schauspieler, der Kleine, dachte ich mir. Aber ich spielte das Spielchen – wie ich dachte – weiter mit.
„Was soll denn das für ein Schatz sein?“
Mein Sohn guckte mich wieder kurz an und entgegnete:
„Ein Schatz als Menschen.“
Booom!
Das Kinn klappte herunter und für eine Sekunde blieb mir die Luft weg. Ich versuchte mich auf meine Gefühle zu konzentrieren, um zu erfahren, was ich von diesen Worten halten sollte. Ja, da war es. Das Wissen, dass jemand da ist. Wie konnte ich auch nur zweifeln, dass ein achtjähriges Kind einen solchen Wortschatz, von sich heraus, verwenden würde.
„Und wo sollst du diesen Schatz finden?“ Mir stieg Wasser in die Augen.
„Um mich herum.“ Mein Sohn sah wieder links an mir vorbei auf jenen unsichtbaren Punkt.
Jetzt war es ganz eindeutig, dieses Gefühl.
Während ich noch nach Worten suchte, meinte mein Sohn dann nur ganz gelassen:
„Jetzt ist er weg.“
Ich atmete tief durch und erklärte ihm, dass alles in Ordnung sei. Wir würden
später darüber reden, nicht jetzt vor Oma, denn die würde so was nicht verstehen.
Er nickte und wir unterhielten uns später noch ausgiebiger über dieses Erlebnis. Ich hatte ja so viele Fragen. Eines interessierte mich besonders: Wie er das Ganze wahrgenommen hätte. Ob er es beschreiben könne, weil ich das ja nicht sehen konnte.
„Es war, wie wenn neben dir ein Film läuft. Es passierte einfach neben dir.“
Das erklärte mir diesen starren Blick, den er auf eine Stelle neben mir gerichtet hatte.
Als ich ihn fragte, ob er das häufiger habe, meinte er, dass ihm das auch in der Schule öfters vorkomme. Dann könne er sich gar nicht mehr auf den Lehrer konzentrieren, weil er dann immer hinschauen muss.
Einige Tage später fragte ich ihn, ob er denn seinen „Schatz“ schon gefunden habe.
„Na klar Mama, der bist doch du!“, kam wie aus der Pistole geschossen und er umarmte mich ganz fest.
Wissen Sie, wie stolz mich das in diesem Moment gemacht hat?
Da ich aber neben einem Sohn noch eine Tochter habe, die ebenfalls diese Gabe besitzt, möchte ich Ihnen ihre erste Erfahrung nicht vorenthalten.
Die erste Erfahrung meiner Tochter
Zu meiner Tochter muss ich sagen, dass sie schon immer mit Elfen gespielt hat. Sie hatte eine ganz besondere Elfenfreundin namens Pocky.
Eines Tages fanden wir in einem Laden viele verschiedene Figuren dieser Wesen. Sie zeigte auf eine und meinte, dass sei Pocky. Ich kaufte sie ihr und sie war überglücklich.
Es war ihre erste in einer heute sehr umfangreichen Sammlung.
Eines Tages, wir hatten im Garten gerade die Sträucher um unser Grundstück herum geschnitten, kam sie heim und schrie und tobte vor Entsetzen. Sie warf sich auf die Couch und weinte bitterlich. Ich setzte mich zu ihr und fragte, was den los sei.
„Ich will heim, ich will wieder heim!“, war alles, was ich zunächst aus ihr heraus brachte.
„Du bist doch daheim“, beruhigte ich sie.
„Nein, ich will heim zu meiner Mutter!“
„Aber ich bin doch deine Mutter.“ Ich versuchte sie in den Arm zu nehmen. Sie kuschelte sich an mich und lenkte ein: „Ja, du bist auch meine Mama, aber ich habe auch eine Elfenmama.“
„Aber warum willst du denn weg von mir? Was haben wir dir getan?“
„Ihr habt sie umgebracht und ihre Wohnungen zerstört!“
Ich verstand zunächst nur Bahnhof, doch dann wurde mir klar, was sie befürchtete.
„Meinst du, weil wir die Sträucher geschnitten haben?“
„Ja! Sie konnten sich nicht mehr in Sicherheit bringen.“
Sie erklärte, dass durch das Schneiden der Sträucher die Behausungen und der Lebensraum ihrer Freunde zerstört worden sei. Dass einige von ihren geliebten Elfen verletzt und sogar tot wären. Ich versuchte sie zu beruhigen und zu trösten. Versprach ihr, in Zukunft, vor dem zurückschneiden der Sträucher, die Elfen zu warnen, damit sie sich zurückziehen könnten.
Sie ließ sich darauf ein, war aber tagelang noch tieftraurig und hielt sich immer in der Nähe der Sträucher auf.
Einige Zeit später: Meine Tochter hatte einen Freund in der Nachbarortschaft, den sie ab und an besuchte. Eines Tages rief mich die Mutter dieses Freundes an und berichtete mir, dass meine Tochter ihr eine sehr seltsame Geschichte erzählt hätte. Von einer Frau, hier aus der Gegend, die ihr Kind umgebracht hätte. Ob ich wisse, was an dieser Geschichte dran wäre?
Ich war sehr verdutzt und verabredete mit ihr, etwas früher zu kommen. Auch diese Mutter wusste um Menschen, die Hellsichtig sind und äußerte mir den Verdacht, dass Anne vielleicht etwas gesehen haben könnte, was nicht jeder wahrnehmen kann.
Zuhause ließ ich sie dann ein Bild von dem malen, was sie denn, nach ihren Beschreibungen, zwischen den beiden Ortschaften, auf einer Wiese am Bach gesehen hatte. Sie malte und erzählte davon, wie fürchterlich traurig diese Frau war, weil sie ihr Kind getötet hatte. Wie diese es nur liebend gerne wieder rückgängig machen wollte und um das Kind weinte.
Meine Tochter meinte, dass die Mutter keine andere Wahl gehabt hätte und zu dieser grausamen Tat gezwungen war.
Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht so recht, was ich von dieser Geschichte halten sollte. Ich wertete es nicht ab und wollte es ihr auch nicht ausreden. Ich nahm sie einfach ernst mit dieser Geschichte, auch wenn ich sie noch nicht einstufen konnte.
Erst Jahre später glaubte ich ihr diese Geschichte dann wirklich.
Damals, als wir beide gemeinsam einer Seele helfen konnten. [...]